<Das Objekt
von Aiud

Karte von Rumänien mit Aiud / Strassburg [1] - Karte von
Aiud / Strassburg in Rumänien mit dem Fluss Mures [2]

Aiud / Strassburg in Rumänien [3]
Florin Gheorghita
[1974: Funde in Siebenbürgen in Rumänien]
Im Frühjahr 1974 entdeckte eine Gruppe von Arbeitern in
einer Sandgrube am Ufer des Flusses Mures drei Gegenstände,
die in die feinen Sande der alten Flussablagerungen
eingebettet waren. Die Fundstelle befindet sich etwa 2 km
östlich der rumänischen Ortschaft Aiud [deutsch: Strassburg]
am Ostrand des "Siebenbürger Erzgebirges" und 60km südlich
von Cluj-Napoca (Klausenburg). Die Objekte lagen in einer
Tiefe von etwa 10m unter der heutigen Oberfläche und waren
von einer harten, sandigen Kruste überzogen.
Ein ortsansässiger Forscher identifizierte zwei der Funde
als Knochen eines grossen Tieres bzw. als Teile von Knochen.
Das dritte Objekt schien ihm nach Form und Gewicht ein
Steinbeil zu sein. Für weitere Untersuchungen sandte er die
Tiele an das Archäologische Institut von Cluj-Napoca.
[Zwei Saurierknochen und ein Metallteil]
Dort entfernte man die Sandkrusten. Die Fossilien konnten
als Gliederknochen und Backenzahn eines jungen Mastodons
bestimmt werden. Mastodonten waren mit den heutigen
Elefanten verwandte Rüsseltiere und lebten vom Miozän vor 23
Millionen Jahren bis zum mittleren Pleistozän vor etwa 1
Million Jahren. Das dritte Objekt hingegen war, wie sich
schnell erwies, alles andere als ein Steinbeil (auch wenn es
auf den ersten Blick einem Beilkopf nicht unähnlich sah),
denn es bestand aus Metall.

Mastodon [4] - Objekt von Aiud mit Massangaben [5] - Wenn
neben Saurierknochen ein Aluminiumobjekt gefunden wird,
kann das nur von Ausserirdischen sein.
In den Gegenstand, dessen Längsdurchmesser 20,2 cm betrug,
führten [S.18] zwei zylindrische Röhren unterschiedlichen
Durchmessers, die senkrecht aufeinanderstanden. Im unteren
Teil der breiteren Röhre konnte eine ovale Deformation
festgestellt werden, vermutlich als Folge des Einsatzes
einer Achse mit abgerundetem Kopf. Die flache und die
seitlichen Oberflächen wiesen Spuren wie von wiederholten
harten Schlägen auf das Objekt auf. Sämtliche Details
liessen die Vermutung zu, dass das Objekt irgendwann Teil
eines funktionalen Systems gewesen war.
[Die Legierung]
Mehrfache metallurgische Untersuchungen haben das Rätsel um
dieses Fundstück nur noch vergrössert. Analysen unter
Leitung von Dr. I. Niederkorn am "Institut für Forschung und
Projektierung nichteisenhaltiger Erze und metalle" (ICPMMN)
in Magurele (Bukarest) zeigten, dass das Objekt aus einer
komplexen Metalllegierung bestand bzw. hergestellt worden
war. Die Legierung setzte sich aus 12 verschiedenen
Elementen zusammen, wobei Aluminium mit 89 Vol.% als
Hauptbestandteil identifiziert wurde. Ferner vertreten sind
die Elemente
-- Kupfer mit einem Anteil von 6,2%
-- Silizium 2,84%
-- Zink 1,81%
-- Blei 0,41%
-- Zinn 0,33%
-- Zirkonium 0,2%
-- Cadmium 0,11%
-- Nickel 0,0024%
-- Kobalt 0,0023%
Wismut 0,0003%
-- Silber 0,0002%
und Gallium (Suren) sowie andere Spurenelemente.
[Alumiumverwertung gibt es erst seit 1825 - aber das
Aluminiumobjekt ist viel älter]
Aluminium ist zwar das in der Erdkruste am häufigsten
vorkommende Metall, tritt aber in der Natur ausschliesslich
in gebundenem Zustand auf. 1825 von H.C. Oersted entdeckt,
ist es als industriell verwertbares Metall nur durch die
Schmelzfluselektrolyse bei Temperaturen zwischen 950-970ºC
zu gewinnen. Es wurde erstmals Ende des letzten Jahrhunderts
von der chemisch-metallurgischen Industrie in grösserem
Umfang erzeugt; die Produktion in Amerika beispielsweise
begann 1883 in den ALCOA-Werken.
[Die dicke Aluminiumoxidschicht - 100.000e Jahre altes
Aluminium]
Einen sehr ungewöhnlichen Aspekt bildete daher auch das
Vorhandensein einer relativ dicken Aluminiumoxidschicht auf
der Oberfläche des Objekts (Oxidation ist die Aufnahme von
Sauerstoff bzw. der Entzug von Elektronen). Gewöhnlich
überzieht sich Aluminium [S.18] an der Luft sofort mit einem
sehr dünnen, widerstandsfähigen Oxidfilm, durch den das
metall korrosionsbeständiger wird als z.B. Eisen. Dadurch
wird jeder weitere Oxidationsprozess gestoppt. Die
Oxidschicht des fraglichen Objekts besass hingegen eine
Dicke von über einem Millimeter, was bislang noch nirgends
beobachtet worden war. Nur bei einem extrem hohen Alter von
etlichen Jahrhunderttausenden wäre eine solch dicke Schicht
denkbar (Vergleichsdaten gibt es verständlicherwiese nicht).
Einer der an den Untersuchungen beteilgten Metallurgen aus
Bukarest schrieb mir dazu: "Es ist unglaublich, aber es
scheint sich um ein Aluminium mit veralteter Struktur zu
handeln, so, als hätten die anderen Elemente der Legierung
ihre eigenen Gitterstrukturen wiedererlangt!"
All dies - der Fund in einem 10m mächtigen Flusssediment,
die unmittelbare stratigraphische Nähe zu den Knochen eines
Mastodons (ausgestorben vor etwa 1 Million Jahren) und die
dicke Oxidationsschicht - lässt folgenden Schluss als sehr
wahrscheinlich zu: Dieses in Rumänien gefundene Objekt ist
sehr alt. Es ist so alt, dass eine Entmischung der Elemente
und damit eine Rückkehr zu ihrer ursprünglichen
Kristallstruktur möglich war und die Oxidation von der
Oberfläche her langsam in das Metall vordringen konnte.
[Die These eines Landetellers einer Flugsonde]
Von den untersuchenden Spezialisten (Archaologen,
Paläontologen, Ingenieure) vermochte zunächst niemand, das
Objekt zu identifizieren oder auch nur eine Ähnlichkeit mit
heute gebräuchlichen Geräten oder Geräteteilen
festzustellen. Ein Flugzeugingenieur schlug aber
schliesslich eine interessante Hypothese vor: Das Fundstück
erinnere an den Landeteller eines nicht allzu grossen
Flugkörpers, der, wie die Mondfähre oder die Viking-Sonden,
weich auf dem Boden aufsetzt. Tatsächlich könnten sowohl die
Form des Objekts, die beiden Löcher (hier war vielleicht das
Gestänge der Landebeine verankert), die Kratzspuren an
Unterseit eund Kanten als auch das Material selbst (leichtes
Aluminium, das auch heute wegen eben dieser Eigenschaft im
Flugzeug- und Raketenbau Verwendung findet) Indiz für diese
Vermutung sein [S.20].
Ist also "irgend etwas" - vielleicht eine relativ kleine,
ferngesteuerte Sonde - in vorgeschichtlicher Zeit, vor einer
Million oder noch mehr Jahren, über das Gebiet des heutigen
Rumäniens geflogen? Hat es im Urstromtal des Mures zur
Landung angesetzt und ist dabei aus irgendwelchen Gründen
verunglückt? Ist der "Rest" des Objekts im Laufe der Zeit
vom Mures fortgeschwemmt worden, so dass nur der
abgebrochene Landeteller zusammen mit den Knochenteilen
eines inzwischen ausgestorbenen Elefantenvorläufers - an
irgendeiner Untiefe des Flusses hängeblieb, einsedimentiert
wurde und auf diese Weise überdauerte?
Wir wissen es nicht. Aber eines ist sicher: Dieses Objekt,
von dem ich 1974 selbst einige kleine Bruchstücke zu
metallographischen Analysen in den Händen hielt, stammt
nicht aus der Welt des irdischen Pleistozäns, nicht von
unseren menschlichen Vorfahren der Altsteinzeit und damit
mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nicht von unserem
Planeten. Wo es sich heute, zwanzig Jahre nach seiner
Entdeckung, befindet, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber es
ist zu hoffen, dass es durch Veröffentlichungen wie diesen
nicht in Vergessenheit gerät und dass die bei den
Untersuchungen übriggebliebenen Teilstücke vielleicht bald
einem internationalen Wissenschaftlerteam zu
weiterreichenden Analysen zur Verfügung gestellt werden.>
[S.21]